L´elisir d´amore – ein Liebestrank der optisch verzaubert

Der Bühnenhimmel hängt voller Gläser. Und die Geigen? Eine Operette, die mit einem wunderschönen Bühnenbild auch musikalisch überzeugt.

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Unter einem Himmel aus 3.432 Gläsern entfaltete Gaetano Donizettis „Liebestrank“ seine Wirkung auf der Bühne des Duisburger Theaters. Das poetische Bühnenbild von Alfons Flores verzaubert die Zuschauer und zieht sie mit zahlreichen Farb- und Lichteffekten in den Bann der Inszenierung. Joan Anton Rechi hat „L´elisir d´amore“ als mediterranen Sommernachtstraum inszeniert.

Dass Wein, gleich aus welcher Traube erschaffen, eine besondere Wirkung auf den Menschen hat, ist seit Jahrhunderten kein Geheimnis. Er kann nicht nur den Gaumen verzaubern, sondern hat je nach Konsum schon so manche Frau oder Mann im besonderen Lichte erscheinen lassen. Kann er aber auch als besonderes Liebeselixier fungieren? Dem geht diese Operette sehr amüsant auf den Grund.

Die Geschichte ist kurzweilig und schnell erzählt:

Dass die schöne und selbstbewußte Adina jemals seine Liebe erwidern würde, erscheint dem jungen Nemorino mehr als unwahrscheinlich. Als dann auch noch der eitle Offizier Belcore auftaucht und Adina heiraten will, sieht Nemorino seine Chancen endgültig schwinden und gibt sein gesamtes Vermögen für einen angeblichen Liebestrank des Quacksalbers Dulcamare aus. Nach vielen Verwirrungen, die mitunter an Shakespeares „Sommernachtstraum“ erinnern, findet das Paar zusammen, der arme Nemorino kommt wieder zu Geld, und niemand hat gemerkt, dass in der Flasche mit dem Liebestrank lediglich billiger Wein war.

Die Bühne der Duisburger Oper hängt voller Gläser, die je nach Bühnenbild in verschiedenen Abstufungen von der Decke abgehängt oder in effektvollen Farbnuancen angestrahlt werden. Es entstehen immer wieder neue, geradezu surreale Räume, die sich von der sehr realen und in die Jetzt-Zeit gebrachte Darstellung abheben. Die Inszenierung lebt von dem humoresken Schauspiel der Sänger. Mal eine hochschwangere Giannetta, die auf ihrer eigenen Hochzeit den voluminösen Bauch rhythmisch schwingt oder die liebeskranken Nebenbuhler, die sich eine Sahnetorten-Schlacht liefern. Alles spielt unter einem funkelnden und blinkenden Bühnenhimmel aus Tausenden von Gläsern, die kopfüber vom Schnürboden hängen. Das Licht bricht sich in den verschiedenen Gläsern und lässt sie auch mal erklingen – ein Symbol für die freudige Musik und stimmungsvollen zwei Akte.

Der neue Rheinopern-Kapellmeister Giuliano Betta dirigiert die Duisburger Philharmoniker und koordiniert den schön singenden Chor der Deutschen Oper. In den Hauptrollen gibt es zwei spannende Debüts: Luiza Fatyol, die über das Opernstudio den Weg in das Ensemble fand, ist erstmals als Adina mit ihrem leuchtenden Sopran zu erleben. Während der russische Tenor Georgy Vasiliev als Nemorino in dieser Rolle mit einem frischen und beweglichen Tenor debütiert. Schon kurze Zeit nach seinem Karrierestart in Moskau hat sich Vasiliev mit den großen Tenorpartien seines Fachs auch international etabliert. Weiterhin überzeugen Laimonas Pautienius als Belcore, Anna Tsartsidze als Gianetta und Bruno Balmelli, der als Dulcamare den „Barmixer“ mimt.

Der besondere Reiz des Bühnenbilds und die stimmlichen Darbietungen der Sänger machten diesen Abend zu einem besonders schönen kulturellen Ereignis. Der nicht abfallende Beifall ist Indiz für eine sehr, sehr schöne Produktion

Noch bis zum 16. Juni 2016 ist „L´elisir d´amore“ in der Deutschen Oper in Duisburg zu sehen.

Fotos von Jörg Michel, Deutsche Oper am Rhein

15.11.15 Beitrag von: Alexandra Viefers

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