Nobelhart und Schmutzig

Das etwas andere Restaurant am Checkpoint Charlie

Checkpoint Charlie – neue Grenzgänge der Kulinarik

Nobelhart & Schmutzig
Thekenrestaurant | Fotografie: Marko Seifert
Nobelhart & Schmutzig
Micha Schäfer und Billy Wagner | Fotografie: Marko Seifert
Nobelhart & Schmutzig
Nachspeise radikal | Fotografie: Caroline Prange

Im Sommer machten wir uns auf, das neue Restaurant von meinem früheren Nachbarn Billy Wagner in Berlin zu besuchen. Was mit einer Blechlawinen-Odyssee begann, endete mit einem für uns neuen kulinarischen Erlebnis im „Nobelhart & Schmutzig“.

 

Fass Dein Essen mal wieder an … Restaurant mit regionaler und saisonaler Küche in Berlin (Xberg) – Brutal Lokal!

 

So beschreiben die beiden Gründer des Restaurants selbst auf ihrer homepage den Stil des Haues. Billy Wagner hat früher als Sommelier in diversen Häusern gearbeitet, zuletzt in der Weinbar Rutz und Micha Schäfer, der zwei Jahre lang in der Zweisterne Küche der Villa Merton in Frankfurt gekocht hat, entwickelten ein doch recht neues Konzept in der Gastroszene. Sie eröffneten 2015 ihr erstes eigenes Restaurant  – ein sogenanntes Tresenrestaurant. Die Theke an der die Gäste Platz nehmen steht im Vordergrund und bietet den Blick in die Küche, eigentlich sitzt man in der Küche und kann den Köchen beim Kochen und Anrichten zuschauen. Der direkte Austausch der Gäste untereinander aber natürlich auch mit den Gastgebern, also Sommelier und Koch sowie dem gesamten Personal ist möglich.

Ja, es wird diskutiert.

Nicht nur in den sozialen Medien über das Nobelhart & Schmutzig sondern auch im Restaurant. Streitgespräche inclusive. Über Wein vornehmlich. Schon zu meinen Zeiten bei der ProWein probierten und diskutierten Billy und ich über Weine. Billy ist wahrlich ein Weinkenner und hat mir viele Tropfen und Winzer näher gebracht, von denen ich noch nie gehört hatte. Manche behaupten, er hätte fast die Prominenz eines Rockstars erreicht. Optisch hat er schon etwas von einem. Aber in der Tat hat er es mit seinen 35 Jahren zu einer Persönlichkeit in der Weinwelt gebracht. Ich bewundere seine grenzenlose Begeisterungsfähigkeit für Wein, Musik oder einfach die Sache, an die er gerade glaubt. Er hat einfach ein Händchen für Menschen und vergrault selbst mit seinem gewissen Hang zum Derben nicht seine Gäste.

Man wird umtänzelt

und die Gläser werden geschwind wieder aufgefüllt oder beim nächsten Gang durch eine neue Empfehlung ausgetauscht. Ohne großes Bohei, wer Fragen hat, bekommt eine kurze oder auch mal längere Ausführung zum Getränk oder der Speise. Nicht umsonst wurde Billy schon zum Sommelier des Jahres gekürt. Aber auch Micha Schäfer muss sich nicht hinter seinen Töpfen verstecken und hat sich bereits seine Lorbeeren in der Gastronomie verdient.

Auf die Teller des Restaurants, das er gemeinsam mit dem Koch Micha Schäfer führt, kommen nur erstklassige lokale Produkte. Das gilt sogar für Gewürze – nicht einmal Pfeffer, Zitrone oder Olivenöl kommen zum Einsatz. Es wird nur ein einziges Menü angeboten, das von der Jahreszeit und lokalen Angeboten abhängt. Wasser mit und ohne Kohlensäure ist im Preis inbegriffen – aber nur gefiltertes Leitungswasser.

Michael und ich kamen in den Genuss von:

Junger Lauch (Olaf Schnelle) – so schlicht und doch aufregend kann ein Gemüse sein; und dazu ein erfrischendes Bier

Erbsen (Grete Peschken) – ok, es ist nur noch grün und flüssig; aber eine Explosion an Frische im Mund

Hartweizengrieß, Sironi Brot & Rohmilchbutter (Stettin/Polen) –

Kopfsalat, Emmer, Wildsoße (Landgut Pretschen) – kommt etwas simpel daher, aber überrascht mit schöner Wildnote

Müritz Saibling, Fenchel (Müritz Fischer) –

Radieschen, Blutwurst, Petersilie (Gut Hirschaue) – wie ein kleines Picknick der edelsten Art

Zwiebelgewächse, Erbsen, Rinderfett (Bauer Zielke) –

Lammnacken, Bohnen (Müritzhof) – klassisch, aber neugierig neu

Sauerampfer, Dillblüten (Olaf Schnelle) – grandioses Dessert; bitte einen Nachschlag und ein doggy bag gleich dazu
Kirschen, Hefe, Wacholder (Bauernhof Weggun) –

Beeren (Bauernhof Weggun) –

Zu der Auswahl an Getränken lässt sich nur sagen: “Der Suffmeister hält es so wie bei den Frauen. Er liebt sie alle und schläft zu gerne fremd.”

Die Atmosphäre in den Räumen ist sehr angenehm. Ich hatte schon beim Entree fast den Eindruck, Billy in seiner Wohnung in Berlin zu besuchen und nicht in ein Restaurant zu treten. Vorhänge an der Schaufensterfront erwecken eher den Eindruck, ein Wohnzimmer von außen zu sehen und die Klingel macht den Anschein eines Clubs. Weit gefehlt. Man sitzt in sehr gemütlichen Barsesseln mit Fellhusse an der Theke oder nimmt an einem runden Holztisch Platz. Der dunkle, tageslichtlose Raum wird mit dezentem Licht gut ausgeleuchtet, schlichtes Interior mit Focus auf die Küche und die Auswahl der Musik – DJlike.

Wir möchten uns als Fazit einem Urteil in den sozialen Medien anschließen: “Einer von Deutschlands mutigen Vorreitern für moderne Tresengastronomie. Hip, aber bodenständig; reduziert, aber fokussiert; dogmatisch aber köstlich. Sehr gute Bewirtungsstätte :-)” www.nobelhartundschmutzig.de

02.06.16 Beitrag von: Alexandra Viefers

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