Orange & Wein – kann das sein?

Heutzutage spricht man von „orange“. Allen Weinen gemeinsam ist die Gewinnung des Weins aus weißen Trauben, die einer Maischegärung unterzogen wurden.

In einigen Fachzeitschriften taucht seit geraumer Zeit der Begriff der „Orange Wines“ auf. Was mag das sein? Ein Schreibfehler oder das Ergebnis eines chemischen Experiments? Nein, ganz im Gegenteil. Wir befinden uns auf biologischem Feld./Naturwein

 

Orange2Orange-Wine-Macher und Produzenten von vin naturel wollen im Grunde Weine machen, wie sie vor grauer Urzeit in Georgien entstanden sind. Heute haben sie einen neuen Trend ausgelöst.

 

Ein Blick zurück:

Irgendwo in Georgien sind im Herbst weiße Rkatsiteli-Trauben gequetscht worden und in Kvevris, sogenannte Tongefäße mit einem Volumen von 1.000 Litern, gefüllt worden. Nachdem die Tongefäße mit Kitt und Holzplatten sowie mit Sand und Plastikplanen luftdicht verschlossen wurden, lagerten sie monatelang und konnte die alkoholische Gärung durchlaufen. Nach der Öffnung kommt die Farbe ans Tageslicht: leuchtend, orangegelb und kristallklar. Die Feststoffe des Kvevri sind gesunken und nach den Monaten der Ruhe steht darüber der klare Wein. Vom Geschmack eine eigentümliche Frische; gerbstoffreich und anhaltend.

Heutzutage spricht man von „orange“. Allen Weinen gemeinsam ist die Gewinnung des Weins aus weißen Trauben, die einer Maischegärung unterzogen wurden. Also, die Gärung in Gegenwart der Beerenschalen passierte. Generell usus bei der Rotweinproduktion. Desweiteren sind aber Varianten möglich. Einige Winzer nutzen kleine Dosen Schwefelzusatz, andere vinifizieren ohne. Auch die Wahl der Gefäße kann sich unterscheiden. Sowohl die obengenannten Kvevris, Tongefäße, als auch die aus Spanien stammenden Tinajas, sind möglich. Eine Tannin-Komponente zeichnet die Orange Weine aus, abhängig von der leichten Oxidation, die gleich ob Schwefel zugesetzt wurde oder nicht. Dies ist in dem Stoffwechselprozess der Hefe begründet, die während der alkoholischen Gärung Schwefeldioxid entstehen lässt.

Ursprung der meisten Orange Wines ist der Bio- oder biodynamischer Anbau. Die italienische und slowenische Seite des Collio (Friaul-Julisch Venetien) gelten heute als Hochburg Region.

Nach Zahlen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) hat sich die Bioweinbaufläche von 2004 bis 2011 verdoppelt! An die 90 % der weltweiten Biowein-Produktion finden in Europa statt, dessen Bioanteil bei 5,3 % liegt. Über die meisten Biorebflächen verfügt dabei Spanien mit ca. 30 %. Spanien, Frankreich und Italien besitzen gemeinsam drei Viertel der weltweiten Bioweinbaufläche. Das kleine Österreich hat global gesehen zwar nur einen Anteil von 1,6 % (ca. 4.200 ha), aber beim Prozentanteil von Bio an der Gesamtproduktion eines Landes führt es aktuell die internationale Rangliste an.

Der Begriff Orange Wine“ bzw. „Orange Weine“ scheint brauchbar, führt aber auch ein wenig in die Irre. „Orange Wines“ besitzen wohl mitunter eine orange Farbe, die auch gerne neben Rot, Weiß und Rosé als vierte Weinfarbe bezeichnet wird – das muss aber nicht der Fall sein. Geschmacklich treten andere Aromen – Trockenfrüchte, Gewürze sowie nussige und erdige Noten – in den Vordergrund. Das Aromen-Spektrum spiegelt natürlich auch den intensiveren Kontakt mit Sauerstoff wider.

Alles in Allem ist es einen Versuch wert. Die Weine harmonieren hervorragend zu Fisch und vegetarischen Gerichten sowie einer eher “salzigen” Küche.

 

Hier eine kleine Auswahl Orange Wines:

Magner Mater Chardonnay, Birgit Braunstein – Österreich

magnamater

Es handelt sich um einen Chardonnay, der in keltischer Tradition in Tonkrügen eineinhalb Meter unter der Erde reifte.
Zart getrübtes Bernstein. Tabakige Würze, frische Orangenschalen, Nuancen von Marillen, mineralischer Touch.

 

 

 

 

 

 

Breg Gravner Anfora 2005 Magna, Josko Gravner – Italien

gravnerMittleres Bernstein. Feine nussige Nuancen, unterlegt mit Anklängen von Steinobst, Zitruszesten, finessenreiche Säure und salzige Mineralik

 

 

 

 

 

 

 

Malvazija Antica 2008, Mladen Roxanich – Istrien

RoxanischMittleres Orange im Bernsteintouch. Mit feinen Karamellnoten unterlegt, Huach von Kräutern und Nougat, Pfirsich und Zitruszesten. Feine Säurestruktur, mineralisch mit zarten Kirschenoten im Finish.

 

 

 

 

 

 

Bezugsquellen:

www.orange-wine.net

www.orange-wines.com

www.italvinus.de

04.03.15 Beitrag von: Emilie Hermann

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